Russland, Venezuela & Iran: Öl-Dienstleister warten auf Aufträge
Die jüngsten Entwicklungen in Russland, Venezuela und Iran wirken wie zusätzliche Brandbeschleuniger, die Öl-Dienstleister-Aktien in Bewegung bringen – ganz unabhängig davon, dass die Ölpreise derzeit noch relativ niedrig nd die Läger gut gefüllt sind. Auch die Tatsache, dass weltweit lange der Trend zur Dekarbonisierung im Mittelpunkt stand, hat dazu geführt, dass Modernisierungsmaßnahme lange vernachlässigt wurden, sodass hier Nachholbedarf besteht.
Zunächst Russland: Die Ukraine und westliche Staaten greifen zunehmend rigoros gegen Infrastruktur und Schiffe durch, mit dem Ziel, russische Ölproduktion und -transporte zu stören und den Cash-Flow zu drosseln. Das erhöht die Unsicherheit über Lieferströme, verteuert Transporte und lässt Anleger Risikoprämien einpreisen – auch wenn der Markt aktuell global noch ein Überangebot hat. Der Ukraine-Krieg hat den maroden Zustand der russischen Öl-Infrastruktur verschärft und sichtbaren Bedarf an Investitionen zur Wiederherstellung und Modernisierung geschaffen.
Venezuela spielt eine ähnlich chaotische Rolle: Die politische Lage hat sich dort dramatisch verändert, inklusive Führungskrise und massiver US-Eingriffe in die Kontrolle des Ölsektors. Gleichzeitig werden Schritte unternommen, den Ölmarkt für private und ausländische Investoren zu öffnen und Reformen umzusetzen.
Im Iran ist die Lage ebenfalls unsicher: Trotz hoher Produktion steht das Land unter massiven wirtschaftlichen und politischen Spannungen, einschließlich interner Unruhen und harter Sanktionen. Zahlreiche Analysten halten in Kürze einen US-Militärschlag und gar einen anschließenden Regimechange für denkbar. Eine solche Entwicklung würde große Teile der ohnehin veralteten iranischen Energieinfrastruktur beschädigen und die Förderung kurzfristig massiv einbrechen lassen. Sie würde jedoch früher oder später einen enormen Investitionszwang auslösen, weil nur durch schnellen Wiederaufbau und Modernisierung der Öl- und Gasindustrie dringend benötigte Staatseinnahmen zu erzielen wären.
Kurz gesagt: Während die globale Nachfrage schwach bleibt und ein Angebotsüberschuss den Ölpreis kurzfristig drückt, sorgen geopolitische Risiken in Russland, Venezuela und Iran für mehr Unruhe, Unsicherheit und Risikoaufschläge im Markt. Diese Faktoren können Öl-Service-Aktien stützen, weil sie die Erwartung befeuern, dass Förderer trotz Preisdruck weiter investieren und Absicherungsmechanismen brauchen – und genau dort verdienen Service-Anbieter ihr Geld. Tatsache ist, dass die Aktien der Öl-Ausrüster stark gestiegen sind. Dies bedeutet aber auch, dass Rückschläge sehr wahrscheinlich sind, wenn sich die erwarteten Aufträge nicht unmittelbar einstellen und an den Börsen andere Themen fokussiert werden.
SLB (ehemals Schlumberger) – ISIN US8064071025
SLB hat seinen Hauptsitz in Houston, Texas, USA, und ist eines der weltweit größten Ölfelddienstleistungsunternehmen. Es bietet Technologien und Dienstleistungen für die Exploration, Entwicklung und Produktion von Öl- und Gasvorkommen an. 2024 gab es einen Rekordgewinn, der im abgelaufenen Jahr nicht ganz erreicht werden kann. Zuletzt entwickelte sich die SLB-Aktie sehr stark, sieht aber angesichts des weiten Abstands zum 50er-EMA überkauft aus. Auch die Formation der letzten Tageskerze deutet auf rückläufige Kurse in den kommenden Tagen hin. Sobald sich die Kurse dann stabilisiert haben könnten Long Trades wieder interessant werden.
Baker Hughes Company (BKR) – ISIN US05722G1004

Baker Hughes Company ist in Houston, Texas, USA ansässig und entstand aus der Fusion von Baker Hughes und dem Ölfelddienstleistungsbereich von General Electric. Der Konzern stellt Equipment und Technologielösungen sowohl für konventionelle Öl- und Gasgewinnung als auch für neue Energieprojekte bereit. Er setzt auf eine Doppelstrategie: Einerseits arbeitet das Unternehmen an Technologien für CO₂-Abscheidung und -Speicherung, Wasserstoff und emissionsarme Gasturbinen, andererseits bleibt das traditionelle Geschäft erhalten. So sichert es kurzfristige Einnahmen und langfristige Wachstumschancen in einer dekarbonisierten Energiezukunft. Der Rekordgewinn des Jahres 2024 konnte – bedingt durch den schwächelnden Ölpreis – im Jahr 2025 wohl nicht ganz erreicht werden. Die langfristige Perspektive ist jedoch positiv. Im Chart sehen wir einen sauberen Aufwärtstrend mit einer aktuell überkauften Konstellation, die aber bei Pullbacks neue Chancen in Long-Richtung bieten könnte.
Halliburton Company (HAL) – ISIN US4062161017

Halliburton hat seinen Sitz in Houston, Texas, USA, und ist einer der größten Anbieter von Ölfelddienstleistungen weltweit. Die Kernkompetenzen liegen in der Bohrlochkonstruktion und Reservoirstimulierung, insbesondere durch Fracking-Verfahren. Für 2025 werden im zweiten Jahr in Folge rückläufige Gewinne prognostiziert. Ein Aufwärtstrend ist aber im Chartbild zu sehen. Die Entwicklung in Venezuela hat die Kursrallye beschleunigt, zumal CEO Jeff Miller angekündigt, die Aktivitäten dort wiederaufnehmen zu wollen, sobald die Rahmenbedingungen stabil sind. Trader sollten auch hier auf Kaufgelegenheiten in Form von Rücksetzern warten.
TechnipFMC plc (FTI) – ISIN GB00BDSFG982

Der in London eingetragene Konzern unterhält Niederlassungen in Houston und Paris fürs operative Geschäft. TechnipFMC spezialisiert sich auf Unterwassertechnologie, Oberflächenausrüstung und komplexe Engineering-Projekte für Offshore-Förderanlagen. Das Auftragsvolumen liegt zwischen 600 und 800 Millionen USD. Sowohl fundamental als auch charttechnisch geht alles nach oben, allerdings ebenfalls überkauft.
Tenaris S.A. (TS) – ISIN LU0156801721

Obwohl rechtlich in Luxemburg zuhause, wird Tenaris von Buenos Aires aus gesteuert. Als weltweit führender Produzent fertigt das Unternehmen nahtlose Stahlrohre und bietet spezialisierte Services für Energiegewinnungsprojekte. Nach dem Rekordgewinn von 2023 gehen die Gewinne zurück. Im Chart sehen wir aber ordentlich Rückenwind aufgrund der aktuellen Entwicklungen. Nach zwei größeren Gap Ups hat sich das Wertpapier weit vom 50er-EMA entfernt und wirkt etwas abgehoben.
Tagescharts vom 23.01.2026, Quelle: TWS
Autor: Thomas Canali
Veröffentlichungsdatum: 24.01.2026
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